Vom ersten Mitlaufen in Burlo bis zur offenen Frage, wo sie weiter versorgt wird. Ihre Geschichte bis zum 9. Oktober 2026.

Die Geschichte beginnt in Lost & Found #1: Nyx â Wie ein Ohropax zum GlĂŒcksfall wurde.
Nyx kann inzwischen ziemlich viel. Menschen um die kleinen schwarzen Pfoten wickeln. Wohnzimmer auf ihre Standfestigkeit ĂŒberprĂŒfen. Brummen, wĂ€hrend sie gekrault wird.
Was sie nicht kann: dem Ordnungsamt eine E-Mail schreiben.
DafĂŒr hat sie offenbar mich eingesammelt. Als Stimme, Vernetzerin, Ideengeberin und gelegentlich ziemlich hartnĂ€ckige Möglichmacherin. Angefangen hat das alles mit einer jungen schwarzen Katze, die einfach mitlief.
Komm erst mal mit
Am Abend des 17. August tauchte sie in unserer Nachbarschaft in Borken-Burlo auf. Sie war an mehreren HĂ€usern gesehen worden und folgte schlieĂlich einer Nachbarin und deren Tochter. Dort konnte sie nicht bleiben. Also ging ich hin.
Als ich sie ansprach, kam sie direkt auf mich zu. Anfassen ging. Hochnehmen auch. Damit war die erste Entscheidung getroffen: Komm erst mal mit.
Sie war dĂŒnn und hatte einen gewaltigen Hunger. Es gab Futter, Wasser, einen geschĂŒtzten Platz und eine improvisierte Katzentoilette. Die Suche nach ihren Menschen begann; unter anderem informierte ich die Katzenhilfe Borken.
Dann bekam sie einen Namen: Nyx, nach der griechischen Göttin der Nacht. Eine ziemlich groĂe ZustĂ€ndigkeit fĂŒr so eine kleine Katze.
SpÀter schlief sie auf meinem Schoà ein.
Ein Ohrstöpsel und ein lebensgefÀhrlich voller Bauch
Am nÀchsten Morgen erwischte Nyx bei mir einen Schaumstoff-Ohrstöpsel. Ich sah ihn noch. Dann war er geschluckt.
Wir fuhren sofort zur Tierarztpraxis Borken-Weseke. Nyx wog kaum mehr als ein Kilo. Sie war stark abgemagert, dehydriert und voller Flöhe. Ein Mikrochip war nicht nachweisbar. Ihr Magen war massiv gefĂŒllt.
Sie wurde operiert.
Dabei kamen groĂe Mengen Futter, Teile von Maus und Vogel und der Ohrstöpsel zum Vorschein. Der saĂ am Magenausgang und behinderte den Weitertransport. Der spĂ€tere Behandlungsbericht bezeichnet ihren Zustand als akut lebensbedrohlich und die sofortige Operation als lebensrettend.
Ăber ihr Leben vor diesem Abend wissen wir dadurch trotzdem wenig. Niemand kann aus ihrem Mageninhalt ablesen, wem sie gehörte oder warum sie unterwegs war.
Nyx ĂŒberstand die Operation. Sie bekam einen Chip, wurde gegen Flöhe behandelt und blieb noch zwei Tage stationĂ€r. Danach kam sie zur Pflege zurĂŒck.
Das vorbereitete Krankenbett war ein groĂer ehemaliger HundekĂ€fig. FĂŒr eine winzige Patientin mit frisch operiertem Bauch erst einmal eine ziemlich brauchbare Unterkunft.
Die neue Kollegin im Rabbit HQ
WÀhrend Menschen Rechnungen sortierten, begann Nyx, sich mit ihrem vorlÀufigen Lebensraum zu beschÀftigen.
Hier gab es bereits Fly und Jack. Und irgendwann eine alternative Grillveranstaltung, deren WĂŒrstchen in der Pfanne landeten. Nyx nutzte den Abend fĂŒr einen lĂ€ngeren Ausflug durchs Wohnzimmer. BĂŒcherstapel, Kartons und Ablagen wurden einer grĂŒndlichen Untersuchung unterzogen.
Im Rabbit HQ war damit die Stelle fĂŒr HöhenaufklĂ€rung und spontane Innenraumumgestaltung besetzt.
Es gab auch die ruhigen Momente. Kraulen. Kleine schwarze Pfoten. Brummende KĂ€tzchen-Therapie, wie ich das genannt habe.
Aus der unbekannten Fundkatze wurde ein sehr konkretes GegenĂŒber. Mit BedĂŒrfnissen, Gewohnheiten und einer erstaunlichen FĂ€higkeit, einen ganzen Abend zu verĂ€ndern.
Die zweite Baustelle heiĂt ZustĂ€ndigkeit
Am 19. August meldete ich den Fund formell bei der Stadt Borken. Ich schilderte den Notfall, fragte nach den Tierarztkosten und danach, ob Nyx nach ihrer Entlassung zunÀchst bei mir gesund werden könne.
Die Stadt bestĂ€tigte am 21. August den Eingang und forderte Unterlagen an. Fundtierstatus und KostenĂŒbernahme mĂŒssten geprĂŒft werden. Die Frage nach der Pflege blieb dabei unbeantwortet.
Es folgten Behandlungsbericht, Kostenaufstellung, Fotos und Nachfragen. Ende August teilte die Stadt mit, ihr lÀgen noch keine Unterlagen vor. Am 2. September schickte ich den Bericht, den Rechnungs-Probedruck und vier Fotos als Anlagen.
Am 4. September gab es ein Telefonat, das ich damals ausdrĂŒcklich als sehr gut beschrieben habe: Die Stadt wĂŒrde 600 Euro direkt an die Praxis zahlen, den Rest wollte ich selbst ĂŒbernehmen und mit der Praxis klĂ€ren.
Auch das gehört zur Geschichte. Es gab einen Lösungsversuch.
Die spĂ€tere Rechnung belief sich auf 1.492,77 Euro. Ich bat um eine abschlieĂende schriftliche Entscheidung. Am 24. September verwies die Stadt auf die fehlende vorherige Kostenzusage und zweifelte zunĂ€chst am Fundtierstatus, unter anderem wegen des fehlenden Chips und der Wildtierreste im Magen.
FĂŒr mich blieben Fragen offen. Gefunden am 17., Notversorgung am 18., formelle Meldung am 19. August: Diesen Ablauf stellte ich nochmals dar. Anfang Oktober bat ich um erneute PrĂŒfung der gesamten Kosten. Eine Beteiligung von 600 Euro wollte ich dabei nicht automatisch als abschlieĂende Einigung verstanden wissen.
Eine gute Nachricht mit einer neuen Frage
Am 5. Oktober kam die Anerkennung: Die Stadt stufte Nyx ausdrĂŒcklich als Fundtier ein und sagte die Ăbernahme der Tierarztkosten zu. Die Rechnung lag ihr vor; die Abwicklung sollte mit der Praxis geklĂ€rt werden.
Das war ein wichtiger Schritt.
Gleichzeitig sollte Nyx bis zum 9. Oktober ins Tierheim nach Ahaus gebracht werden. Die Stadt begrĂŒndete das mit ihrer ZustĂ€ndigkeit, der Verwahrung und der Halterermittlung, insbesondere dem Abgleich von Vermisstenmeldungen.
Ich bot an, Nyx weiter zu betreuen und bei der Suche zu helfen. Ich fragte, unter welchen Bedingungen Privatpflege möglich wĂ€re, und bat fĂŒr die KlĂ€rung um mehr Zeit.
Die Antwort: Privatunterbringung sei nicht vorgesehen. Die Frist wurde nicht verlÀngert.
Auch die Tierarztpraxis fragte ich wegen ihres Bauchs und des bevorstehenden Wechsels. Nach RĂŒcksprache sah sie keine medizinischen EinwĂ€nde gegen einen zeitnahen Umzug nach Ahaus. Dort gebe es fachkundiges Personal und tierĂ€rztliche Weiterbehandlung.
Diese Antwort gehört genauso hierher wie mein Wunsch, Nyx weiter bei mir zu versorgen.
Stand heute
Heute ist der 9. Oktober. Nach ihrem letzten Schreiben verlangt die Stadt die Abgabe heute. Ein Aufschub ist nicht bestÀtigt.
Auch gesundheitlich ist noch nicht jede Frage erledigt. Ende September beschÀftigten uns die Verdauung und eine Vorwölbung an der Bauchnaht. Welche weitere Behandlung nötig wird und wie deren Kosten geregelt werden, ist noch offen. Die Zusage zur bisherigen Rechnung beantwortet das nicht automatisch.
Nyxâ Geschichte hat deshalb heute keinen fertigen Schluss.
Wenn ich von ihrem Kampf mit dem Ordnungsamt erzÀhle, leihe ich ihr meine Stimme. Sie kennt keine ZustÀndigkeitsregeln. Ich möchte verstehen, wie ihre Versorgung, die Haltersuche und eine mögliche weitere Pflege bei mir zusammenpassen können.
Vielleicht ist sie damit, ganz ohne eigene Bewerbungsunterlagen, eine kleine Botschafterin der Streuner geworden. Ihre Geschichte macht sichtbar, wie viele Fragen an einem einzigen Tier hÀngen können.
Nyx hat mich am 17. August kennengelernt. Seitdem versuche ich, fĂŒr sie Möglichkeiten zu finden.
Die Hauptrolle hat sie lĂ€ngst ĂŒbernommen.
Nyx erzĂ€hlt ihre eigene, literarische Version in Katzenselbsthilfegruppe #2 â Nyx und die Frage nach dem Bleiben.

