🐈‍⬛ Katzenselbsthilfegruppe #2 – Nyx und die Frage nach dem Bleiben

Nyx, eine schwarze Katze, auf einem Schreibtisch.

Hinweis: Nyx erzÀhlt hier als literarische Figur. Die Katzenrunde und ihre GesprÀche sind erfunden; der geschilderte Verlauf beruht auf dokumentierten Ereignissen. Stand: 9. Oktober 2026.

Nyx, eine schwarze Katze, auf einem Schreibtisch.
Unterlagen im Bild zum Schutz privater Daten unkenntlich gemacht (KI-bearbeitet)

„Ich bin jetzt amtlich eine Fundkatze“, sage ich.

Bruno hebt den Kopf von seinem Kissen.

„Warst du vorher etwas anderes?“

„Eine Fundkatze mit ungeklĂ€rtem Fundkatzenstatus.“

Maja blinzelt. Pixel möchte wissen, ob ich dafĂŒr ein neues Halsband bekommen habe.

Ein Halsband wĂŒrde die Sache vermutlich auch nicht erklĂ€ren. Die Stadt Borken hat am 5. Oktober schriftlich anerkannt, dass ich ein Fundtier bin, und die Übernahme der bisher angefallenen Tierarztkosten zugesagt. Gleichzeitig soll ich bis heute ins Tierheim nach Ahaus gebracht werden.

Das ist der Punkt, an dem meine Geschichte gerade steht.

Ich heiße Nyx. Kleine schwarze Katze. Im Rabbit HQ fĂŒr Kartons, HöhenaufklĂ€rung und gelegentliche Innenraumumgestaltung zustĂ€ndig. Eine BĂŒrokatze mit einem Kartonpalast und einer ziemlich umfangreichen Korrespondenz, die andere fĂŒr mich erledigen.

Mit vier Pfoten wÀre die Unterschrift vermutlich beeindruckend. Der Rest schwierig.

Wie ich hierherkam

Am 17. August war ich in Burlo unterwegs. Mehrere Menschen sahen mich. Ich lief einer Nachbarin hinterher; bleiben konnte ich dort nicht. Dann kam Nina. Ich ging ihr entgegen, ließ mich anfassen und hochnehmen.

Über alles davor wissen die Menschen wenig. Wo ich herkam, ob mich jemand vermisste, wie lange ich unterwegs war: offen.

FĂŒr den ersten Abend gab es Futter, Wasser, einen geschĂŒtzten Platz und eine improvisierte Katzentoilette. Meine Menschen wurden gesucht, die Katzenhilfe informiert. Ich bekam meinen Namen und schlief schließlich auf Ninas Schoß ein.

Am nÀchsten Morgen verschluckte ich bei ihr einen Schaumstoff-Ohrstöpsel.

„Pixel“, sagt Maja, ohne hinzusehen. „Schreib jetzt nicht Rezept darunter.“

Wir fuhren sofort zur Tierarztpraxis Borken-Weseke. Dort zeigte sich, wie schlecht es mir ging: stark abgemagert, ausgetrocknet, voller Flöhe. Ein Chip war nicht nachweisbar. Mein Magen war massiv gefĂŒllt.

Bei der Operation kamen große Mengen Futter, Teile von Maus und Vogel und der Ohrstöpsel heraus. Der saß am Magenausgang und behinderte den Weitertransport. Der Behandlungsbericht beschreibt meinen Zustand als akut lebensbedrohlich und die sofortige Operation als lebensrettend.

Ich bekam einen Chip, wurde gegen Flöhe behandelt und blieb noch zwei Tage stationĂ€r. Danach ging es zur Pflege zurĂŒck. Mein erstes Krankenbett war ein großer ehemaliger HundekĂ€fig.

Mit Hunde-Vorgeschichte kenne ich mich inzwischen aus. Hier leben Fly und Jack.

Die Abteilung Katze

Anfang September untersuchte ich bei einem lĂ€ngeren Ausflug durchs Wohnzimmer BĂŒcherstapel, Kartons und Ablagen. Die Standfestigkeit der Einrichtung war ein interessantes Forschungsgebiet.

Das Zusammenleben mit den Hunden musste sich entwickeln.

Es gab Kraulen, schwarze Pfötchen und mein Brummen. Aus der unbekannten Katze aus Burlo wurde nach und nach die Katze, deren Alltag hier stattfindet.

„Und der Kartonpalast?“, fragt Bruno.

„Gehört zu meinem ZustĂ€ndigkeitsbereich.“

Bei diesem Wort muss ich inzwischen aufpassen.

WĂ€hrend ich mich erholte, schrieben die Menschen

Am 19. August meldete Nina den Fund formell bei der Stadt. Sie fragte nach den Behandlungskosten und danach, ob ich nach der Entlassung zunÀchst bei ihr gesund werden könne.

Die Stadt bestĂ€tigte den Eingang, verlangte Unterlagen und kĂŒndigte die PrĂŒfung an. Die Pflegefrage blieb zunĂ€chst unbeantwortet. SpĂ€ter kamen weitere Nachfragen; am 2. September schickte Nina Bericht, Rechnungs-Probedruck und Fotos als Anlagen.

Am 4. September gab es einen Lösungsversuch: Nach einem Telefonat sollten 600 Euro von der Stadt direkt an die Praxis gehen, den Rest wollte Nina ĂŒbernehmen. Sie beschrieb das GesprĂ€ch damals als sehr gut.

Die spĂ€tere Rechnung betrug 1.492,77 Euro. Ende September bestanden noch Zweifel der Stadt am Fundtierstatus, unter anderem wegen des fehlenden Chips und der Wildtierreste im Magen. Anfang Oktober bat Nina erneut um PrĂŒfung der gesamten Kosten.

Am 5. Oktober kamen dann die Anerkennung und die Kostenzusage.

„Also erledigt?“, fragt Bruno.

„Die Stadt verlangt meinen Umzug nach Ahaus. Nina möchte mich weiter betreuen; wie es tatsĂ€chlich weitergeht, steht noch nicht fest.“

Heute

Die Stadt verlangt die Abgabe in Ahaus bis zum 9. Oktober. Sie verweist auf Verwahrung und Halterermittlung, insbesondere den Abgleich von Vermisstenmeldungen. Vielleicht werde ich irgendwo gesucht. Diese Frage gehört weiterhin zu meiner Geschichte.

Nina hat angeboten, mich weiter zu betreuen und die Suche zu unterstĂŒtzen. Sie fragte nach Bedingungen fĂŒr Privatpflege und bat um mehr Zeit. Die Stadt erklĂ€rte, Privatunterbringung sei nicht vorgesehen, und verlĂ€ngerte die Frist nicht.

Auch die Praxis wurde wegen meines Bauchs und des Wechsels gefragt. Nach RĂŒcksprache sah sie keine medizinischen EinwĂ€nde gegen einen zeitnahen Umzug nach Ahaus. Dort gebe es fachkundiges Personal und tierĂ€rztliche Weiterbehandlung.

Ende September waren meine Verdauung und eine Vorwölbung an der Bauchnaht Thema. Welche weitere Behandlung nötig wird und wie deren Kosten geregelt werden, ist noch offen.

Stand heute ist kein Aufschub bestÀtigt. Wie es weitergeht, steht noch nicht fest.

In unserer erfundenen Katzenrunde ist es einen Moment still.

Dann zieht Pixel das Protokoll zu sich.

„Was schreiben wir diesmal unter aktueller Stand?“

Ich lege eine Pfote auf das Papier.

„Nyx. Weitere Versorgung zu klĂ€ren.“

Darunter bleibt Platz.

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