Strafe schützt vor Ursache nicht.

Ein Gefängnis. Ein Besuch. Eine tote Ehefrau.

Am 4. April 2025 meldet ntv:

Ein Häftling in der JVA Burg bei Magdeburg soll seine Ehefrau während eines Besuchs getötet haben.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sei die Frau am Donnerstagnachmittag tot aufgefunden worden.

So nüchtern, so schockierend.

Und so erwartbar – für alle, die hinschauen.

Denn auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen:

Ein Gefängnis ist kein sicherer Ort. Nicht für Täter. Nicht für Opfer. Und schon gar nicht für Beziehungen.

Was wäre, wenn wir aufhören würden, „Strafe“ als Lösung zu verkaufen?

Strafe schützt nicht – sie deckelt.

Sie deckelt Wut, Angst, Ohnmacht.

Sie deckelt Biografien, die niemand hören will.

Sie deckelt Systeme, die Symptome bestrafen und Ursachen ignorieren.

In dieser Welt reicht ein einziger Besuch, und ein Mensch stirbt.

Nicht „trotz“ des Strafsystems – sondern gerade deswegen.

Was war vorher?

– Welche Beziehungsmuster haben zu dieser Tat geführt?

– Gab es psychologische Betreuung?

– Wer hat entschieden, dass ein Besuch ohne Begleitung „sicher“ sei?

Wir wissen es (noch) nicht.

Aber was wir wissen:

Das System denkt nicht systemisch.

Was ich fordere:

1. Eine Ursachenwende im Strafsystem.

Weg von Schuld – hin zu Verantwortung, Trauma-Arbeit, Heilung.

2. Rechtliche Klarheit für alle.

Der Satz „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“ gehört abgeschafft. Verantwortung setzt Verstehbarkeit voraus.

3. Gefängnisse als Übergang – nicht als Endstation.

Und schon gar nicht als Ort, an dem Menschen sterben, weil niemand den inneren Krieg gesehen hat.

Für die, die noch lieben – auch wenn alles verloren scheint.

Ich schreibe diesen Text nicht, um einen Täter zu schützen.

Sondern um uns alle zu erinnern:

Wer Ursachen nicht sieht, wird immer neue Täter hervorbringen.

Lasst uns hinschauen. Systemisch. Menschlich. Radikal.

Denn das Gegenteil von Strafe ist nicht Straffreiheit.

Es ist Verantwortung.

– Lieschen Müller

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