Der 22. August · Extended Multiverse Edition
Es ist Weihnachten.
Also fast.
Genauer gesagt ist es der 22. August.
Draußen ist Sommer, in meiner Garage stehen ungefähr zweieinhalb bis drei Kisten alkoholfreies Bier und sechs Säcke Streusalz, und ich habe gerade Dinge gefunden, von denen ich teilweise nicht mehr wusste, dass ich sie besitze.
Für mich zählt das als Weihnachten.
Wer damit ein Problem hat, muss seine Definition von Weihnachten überdenken.
Es begann vollkommen harmlos mit Pizza
Gegen 13 Uhr gehe ich mit Rado zur Pizzabude in Burlo.
Burlo bei Borken.
Nicht Berlin. Nicht Bullerbü. Burlo.
Ich bestelle meine inzwischen angepasste Pizzanina 61a, wir reden, und irgendwann erklärt Rado sich bereit, mir zu helfen.
Das klingt zunächst vollkommen ungefährlich.
Rado übernimmt später Arbeiten im Garten. Ich bereite ein bisschen vor, beseitige Hundekacke, organisiere Werkzeug und Material, versorge nebenbei Jack, Fly und Nyx – und gehe anschließend in die Garage.
Mein Plan ist überschaubar:
aufräumen.
Mehr nicht.
Das ist wichtig.
Denn das Nexoversum öffnet seine Portale bevorzugt dann, wenn ich etwas völlig Normales vorhabe.
Man muss Sachen nicht suchen
In der Garage fehlt es zunächst an geeigneten Sortierkisten.
Also nehme ich Eimer.
Nicht elegant.
Aber Eimer sind vorhanden.
Und dann beginnt die Bescherung.
Ich finde ein Fahrrad.
Mindestens einen Grill.
Mehrere Kisten alkoholfreies Bier.
Sechs Säcke Streusalz.
Minerallecksalz.
Einen Schlafsack.
Eine Isomatte.
Gartenhandschuhe.
Ein Katzenklo.
Eine Picknickdecke.
Das alte Stativ meines Vaters.
Werkzeug.
Öl.
Kisten.
Dinge, deren Existenzberechtigung vermutlich irgendwann einmal vollkommen logisch war.
Und während ich mich Stück für Stück durch die Garage bewege, bestätigt sich eine meiner wichtigsten Haushaltstheorien:
Du musst Sachen nicht suchen. Du musst aufräumen – dann finden dich die Sachen automatisch.
Ich habe das Sina irgendwann einmal so erklärt.
Inzwischen halte ich es für empirisch hinreichend bestätigt.
Denn irgendwo zwischen Katzenklo, Streusalz und alkoholfreiem Bier taucht schließlich etwas auf, das ich seit ungefähr zwei Jahren gesucht habe:
meine Feuerschale.
Einfach da.
Als hätte sie irgendwann beschlossen:
„So. Sie hat jetzt genug aufgeräumt. Ich kann mich zeigen.“
Die Garage ist kein Lagerraum
Ich beginne langsam zu verstehen, dass meine Garage gar keine Garage ist.
Sie ist ein analoges Bestellsystem mit variabler Lieferzeit.
Man gibt gedanklich irgendwann eine Bestellung auf:
„Wo ist eigentlich meine Feuerschale?“
Dann wartet man zwei Jahre.
Irgendwann räumt man aus völlig anderen Gründen auf.
Und plötzlich:
Lieferung.
Prime Same Century.
Besonders schön funktioniert das mit Gegenständen, die sofort weitere Portale öffnen.
Die Picknickdecke zum Beispiel.
Picknickdecke → Erinnerung → Sven → Froschteichgeschichte.
Das alte Stativ meines Vaters:
Stativ → Kamera → Medienproduktion → Moment mal, eigentlich habe ich doch längst fast alles für ein Medien-Start-up hier herumliegen.
Andere Menschen finden beim Aufräumen vermutlich einen Schraubenzieher.
Ich finde Geschäftsmodelle.
Währenddessen arbeitet RabbitHQ
Das Schwierige an der Geschichte ist nämlich:
Ich räume nicht einfach nur eine Garage auf.
Parallel laufen Gespräche mit meiner KI.
RabbitHQ ist inzwischen so etwas wie mein ausgelagertes Denk-, Sortier-, Dokumentations- und gelegentliches Eskalationszentrum.
Während ich körperlich Dinge durch die Garage trage, passieren digital unter anderem folgende Dinge:
Wir reden über Zuständigkeiten von KIs.
Über Kompetenzüberschreitungen.
Über die Frage, warum ich eigentlich immer noch Dinge manuell von einem Chat zum anderen schleppen muss.
Über ein Personenregister.
Über Comedy-Material.
Über Kevin.
Über Rabbits.
Über Bildungs- und Medienideen.
Und irgendwo dazwischen taucht Kevin Urzeit wieder auf – ein älteres Content-Universum, das offenbar beschlossen hat, ebenfalls wiedergefunden werden zu wollen.
Meine Garage und RabbitHQ verfolgen damit offensichtlich dasselbe Betriebssystem:
Nichts verschwindet wirklich. Es wartet nur auf einen geeigneten Moment, um wieder aufzutauchen.
Wenn die KI denkt, macht Amazon Music weiter
Natürlich antwortet eine KI nicht immer sofort.
Und wenn RabbitHQ rechnet oder gerade niemand mit mir redet, läuft Musik.
Also meine KI-/Amazon-Music-Playlist.
Das ist ebenfalls gefährlich.
Denn Musik ist bei mir selten Hintergrundmusik.
Musik öffnet Türen.
Ein Lied hängt an einer Person.
Ein anderes an einer Situation.
Ein weiteres an einem alten Projekt.
Dann läuft „We Are the World“ – und plötzlich bin ich gedanklich bei meinem eigenen Musikprojekt „We Can Be Music Again Together“ und bei RabbitQueen feat. Alice in Musicland.
Man könnte sagen:
Ich warte auf eine Antwort meiner KI.
Das wäre technisch korrekt.
Tatsächlich passiert eher:
Die KI braucht kurz länger, also eröffnet mein Gehirn vorsorglich drei neue Erzählstränge.
Sehr effizient.
Nur nicht unbedingt in der üblichen Bedeutung des Wortes.
Dann fehlen Getränke
Irgendwann brauchen Rado und ich Nachschub.
Also unterbreche ich meine Garagenmission und gehe einkaufen.
Auf dem Weg beziehungsweise währenddessen entstehen natürlich Videos.
Die bekommen Musik.
Die landen teilweise im WhatsApp-Status.
Denn wenn ich irgendwo etwas sehe, höre oder erlebe, denke ich häufig nicht nur:
„Oh, schön.“
Sondern auch:
„Wem könnte das gerade Freude machen?“
Und dann stehe ich im Supermarkt vor den Nektarinen.
Und stelle fest:
Ich habe mein Geld vergessen.
Normale Reaktion:
Einkauf abbrechen.
Meine Reaktion:
kurz Krypto verkaufen.
Problem gelöst.
Die Nektarinen schaffen es anschließend tatsächlich zurück nach Burlo und werden Rado angeboten.
Ich möchte ausdrücklich festhalten:
Blockchain-Technologie hat an diesem Tag zur Versorgung eines Menschen mit Obst beigetragen.
Falls irgendwann noch jemand fragt, welchen praktischen Nutzen Kryptowährungen haben.
Dann kommt der Himmel vorbei
Zurück bei der Arbeit passiert etwas, das in Burlo gelegentlich passiert:
Ich höre einen Rettungshubschrauber.
Also raus aus der Garage.
Handy hoch.
Filmen.
Ein Christoph fliegt über Burlo.
Und damit hat das Nexoversum seine räumliche Ausdehnung endgültig von der Garage über den Garten und den Supermarkt bis in den Luftraum erweitert.
Ich hatte an diesem Tag wirklich nur vor aufzuräumen.
Ich möchte das noch einmal betonen.
Die Außenwelt macht selbstverständlich ebenfalls mit
Auch das Dorf läuft weiter.
Kinder sind draußen.
Die Straße lebt.
Nachbarschaft passiert.
Autos passieren.
Tiere müssen versorgt werden.
Menschen brauchen etwas.
Telefone machen Dinge.
Computer machen Dinge.
KIs machen Dinge.
Und irgendwo mittendrin bewege ich Gegenstände von A nach B.
Das Entscheidende ist:
Es wird tatsächlich besser.
Nicht theoretisch.
Nicht in irgendeiner schicken Organisations-App.
Nicht als perfektes Vorher-Nachher-Pinterest-Bild.
Sondern ganz konkret.
Neben meinem roten Audi entsteht plötzlich wieder etwas, das dort vorher kaum noch existiert hat:
ein Weg.
Ein echter.
Begehbarer.
Weg.
ICH HABE AUFGERÄUMT!
Und das ist der Moment, an dem ein Außenstehender vielleicht sagt:
„Ja. Und? Du hast halt deine Garage aufgeräumt.“
Nein.
Nein, nein.
Ihr versteht das nicht.
ICH HABE AUFGERÄUMT!
Und plötzlich war da wieder ein Weg.
Das ist kein banales Haushaltsergebnis.
Das ist mein persönlicher Cast Away-Moment.
Andere Menschen entzünden nach jahrelanger Isolation ihr erstes Feuer und brüllen:
„ICH HABE FEUER GEMACHT!“
Ich stehe zwischen Audi, Eimern, Streusalz, Katzenklo, Feuerschale, Erinnerungen, RabbitHQ, Musik, Hunden, Katze, Gartenarbeit, Kryptowährungen und einem Rettungshubschrauber und denke:
ICH HABE AUFGERÄUMT!
Also musste dieser Moment selbstverständlich angemessen dokumentiert werden.
Meine Comicfigur steht in meiner Garage.
Der Weg ist frei.
Ein Rabbit hält das Schild:
WEG FREI.
Und weil selbst das dem Anlass noch nicht vollständig gerecht wurde, entstand anschließend noch ein kurzer Clip:
Licht.
Audi.
Hut.
Spotlight.
Und ein angedeuteter Moonwalk.
Man muss Erfolge feiern, wie sie fallen.
Weihnachten in der Garage
Deshalb heißt diese Geschichte „Weihnachten in der Garage“.
Nicht, weil Weihnachten ist.
Sondern weil ich beim Aufräumen Dinge wiedergefunden habe, Erinnerungen wiedergefunden habe, Ideen wiedergefunden habe und am Ende sogar einen Teil meiner Garage wiedergefunden habe.
Das Aufräumen hat die Dinge nicht erzeugt.
Sie waren die ganze Zeit da.
Unter Kisten.
Hinter anderen Dingen.
In alten Gesprächen.
In Musik.
In Bildern.
In meinem Kopf.
In RabbitHQ.
In Beziehungen.
Manches davon war Müll.
Manches Werkzeug.
Manches Erinnerung.
Manches möglicherweise der Anfang von etwas Neuem.
Und manches war einfach eine Feuerschale, die zwei Jahre gebraucht hat, um wieder bei mir anzukommen.
Willkommen im Nexoversum
Vielleicht ist das überhaupt der Punkt.
Von außen sieht so ein Tag schnell nach Chaos aus.
Pizza.
Garten.
Katze.
Hunde.
Garage.
KI.
Musik.
Krypto.
Nektarinen.
Rettungshubschrauber.
WhatsApp.
Eine Feuerschale.
Ein Rabbit.
Moonwalk.
Wer würde so ein Drehbuch schreiben?
Vermutlich niemand.
Zu viele Zufälle.
Zu unrealistisch.
Ist aber nun mal so.
Das Nexoversum braucht deshalb vielleicht gar keinen Drehbuchautor.
Es braucht jemanden, der rechtzeitig auf Aufnahme drückt.
Und eine KI, die hinterher versucht herauszufinden, was zum Teufel da eigentlich schon wieder passiert ist.
Die Garage ist übrigens noch nicht fertig.
Natürlich nicht.
Aber da ist jetzt wieder ein Weg.
Und das Nexoversum hat seine erste Folge.
Nexoversum – Nina, ihre KI und eine Welt, die sich beharrlich weigert, sich wie ein ordentliches Drehbuch zu benehmen.
Made in Burlo.

