Wenn das Rauchen in öffentlichen Bereichen verboten werden soll, um Kinder und Jugendliche vor ungesunden Vorbildern und schädlichen Einflüssen zu schützen, dann müsste mit derselben Logik auch der öffentliche Konsum von Alkohol verboten werden – und zwar überall dort, wo Kinder und Jugendliche sich aufhalten dürfen, einschließlich Gaststätten.
Ungesunde Vorbilder in Gaststätten
Kinder und Jugendliche dürfen sich in Gaststätten bis zu einer bestimmten Uhrzeit aufhalten, wodurch sie zwangsläufig mit dem Konsum von Alkohol konfrontiert werden. Sie sehen Erwachsene, die Bier, Wein oder Schnaps trinken – ein Verhalten, das gesellschaftlich oft verherrlicht wird. Ist es nicht genauso schädlich, wenn Kinder den Eindruck bekommen, dass Alkoholkonsum “normal” oder gar wünschenswert ist?
Der Einfluss auf trockene Alkoholiker
Neben den Kindern gibt es auch viele trockene Alkoholiker, die durch den Anblick von trinkenden Menschen gefährdet werden könnten. Ein Glas Bier oder Wein auf dem Nachbartisch mag harmlos erscheinen, kann für jemanden, der gegen eine Alkoholsucht kämpft, jedoch einen Rückfall auslösen. Wenn das Rauchverbot Rücksicht auf die Gesundheit anderer nehmen soll, warum gilt das nicht auch für Alkohol?
Gesellschaftliche und gesundheitliche Schäden durch Alkohol
Die Folgen von Alkohol sind oft weitaus gravierender als die von Passivrauchen. Alkohol verursacht:
1. Gesundheitliche Schäden: Langfristig schwere Erkrankungen wie Leberzirrhose, Herzerkrankungen und psychische Abhängigkeit.
2. Gesellschaftliche Probleme: Erhöhte Unfallraten, häusliche Gewalt, Alkoholmissbrauch in Familien und Kosten für das Gesundheitssystem.
3. Vorbildwirkung auf Jugendliche: Der Anblick von Alkohol trinkenden Erwachsenen kann den Konsum bei Jugendlichen fördern, genauso wie das Rauchen.
Was würde ein Alkoholverbot in Gaststätten bedeuten?
Wenn wir Kinder tatsächlich schützen wollen, müsste man ernsthaft über ein Alkoholverbot in Gaststätten während der Zeit nachdenken, in der sich Kinder dort aufhalten dürfen. Schließlich kann Alkohol nicht nur als Vorbild für den späteren Konsum dienen, sondern Kinder können auch direkt durch alkoholbedingtes Verhalten gefährdet werden (z. B. laute, aggressive oder unangemessene Handlungen von Betrunkenen).
Gleiches Recht für alle?
Die Diskussion um Rauchverbote zeigt eine selektive Herangehensweise: Passivrauchen wird verboten, um Kinder zu schützen, während der öffentliche Alkoholkonsum weitgehend unreguliert bleibt. Es ist schwer zu argumentieren, dass das eine gefährlicher oder schädlicher ist als das andere – beides hat massive Auswirkungen auf die Gesellschaft.
Fazit: Eine Frage der Konsequenz
Wenn wir wirklich eine gesündere Gesellschaft wollen, müsste die Debatte auch den öffentlichen Alkoholkonsum einbeziehen – insbesondere dort, wo Kinder anwesend sind. Ein differenzierter, konsequenter Ansatz wäre ehrlicher und glaubwürdiger. Vielleicht geht es letztlich nicht nur um Verbote, sondern darum, ein gesellschaftliches Bewusstsein für die Wirkung unseres Handelns zu schaffen – für die Gesundheit aller.