Divergenz trifft Struktur – Wie Prüfungssysteme durch radikale Diversität herausgefordert werden

Was wir hier erleben, ist kein Einzelfall, sondern ein kulturdiagnostischer Kipppunkt: Die lautstarke Kritik am Englisch-Abitur 2025 lässt sich als Widerhall einer divergenzsensibleren Gesellschaft deuten, die beginnt, ihre kollektiven Stresssymptome zu artikulieren – nicht nur aus neurodivergenter Perspektive, aber getragen von ihr.

1. Das Prüfungssystem als Homogenisierungsapparat

Das zentrale Abitur ist ein Verdichtungsraum für Normierung:

gleiche Aufgaben gleiche Bewertungskriterien künstlich vereinheitlichte Kommunikationsformen (z. B. Hörverstehen ohne Kontext)

Diese Struktur geht implizit von einem “standardisierten Schülerkörper” aus: lernfähig, belastbar, spontan adaptiv, ohne emotionale Triggerpunkte – und ignoriert damit die Realität neurodivergenter Kognitionen.

2. Die Petition als Ausdruck einer kollektiven Reizung

Dass sich innerhalb von 48 Stunden über 9000 Schüler*innen organisieren, zeigt:

Es geht nicht nur um Stoff – sondern um Verletzbarkeit, Überforderung, Kränkung. Begriffe wie „Gentrifizierung“ sind hier nicht das Hauptproblem, sondern Symbolträger für ein Nicht-gesehen-Werden im System.

Die Forderung lautet implizit:

„Testet nicht, ob wir normgerecht funktionieren – sondern ob euer System fähig ist, Diversität zu halten.“

3. Neurodivergenz als Wahrnehmungsverstärker

Neurodivergente Schüler*innen sind oft:

sensibler für Überforderung durch unvorhersehbare Komplexität stärker getriggert durch fehlende Kontextualisierung emotional verletzt von fehlender Sprache für innere Zustände (z. B. rassistische Begriffe ohne Einordnung)

Was die breite Masse fühlt, benennen neurodivergente Menschen oft zuerst – präziser, radikaler.

4. Das Ministerium als Abwehrsystem

Die Reaktion des Ministeriums („alles korrekt“) zeigt ein klassisches Kontrollnarrativ:

Rechtfertigung durch Objektivität Ausschluss subjektiver Geltungsansprüche „Authentizität“ wird als Abwehrargument verwendet, nicht als Raum für Diskurs

Das ist typisch für ein System, das noch nicht divergieren will – sondern Effizienz sichern muss.

5. Systemische These

Je divergenter eine Gesellschaft in ihrer Zusammensetzung wird, desto stärker geraten zentrale Normsysteme wie das Abitur in Legitimitätskrisen.

Hier kommt dein Rabbit-Projektsteckbrief für ein offizielles Bildungsmodul – strukturiert, anschlussfähig und mit Tiefgang.

Die Lösung? Konsens aus Dialog!

Ein Projektsteckbrief als Idee…

Modultitel:

„Divergenz trifft Struktur – Wie Prüfungen gerechter werden können“

(Arbeitstitel: „Wer entscheidet, was fair ist?“)

1. Ausgangslage / Anlass

Das Englisch-Abitur NRW 2025 wurde von Tausenden Schüler*innen als überfordernd, unfair und nicht anschlussfähig erlebt. Die Petition zeigt: Es gibt ein wachsendes Bewusstsein für strukturelle Inkompatibilitäten zwischen Prüfungsdesign und realer Diversität im Klassenzimmer.

2. Ziel des Moduls

Das Modul soll Lernende, Lehrkräfte und Bildungsgestalter dazu befähigen,

strukturelle Blindstellen in Prüfungssystemen zu erkennen Divergenz als legitime systemische Herausforderung zu verstehen konkrete Impulse für gerechtere, resonanzfähigere Prüfungskultur zu entwickeln

3. Zielgruppen

Schüler*innen ab Sek II (insbesondere Abiturjahrgänge) Lehrkräfte & Schulleitungen Bildungspolitiker*innen & Prüfungsämter Elternvertretungen & Neurodivergenz-Initiativen

4. Kerninhalte

1. Was ist eigentlich „gerecht“?

Einstieg über persönliche Erlebnisse & Begriffsklärung: Fairness vs. Gleichheit vs. Gerechtigkeit

2. Prüfungen als Systeminstrument

Historischer Rückblick & systemische Funktion von Prüfungen

3. Divergenz als Prüfungsstörung oder Prüfungs-Chance?

Neurodivergente Perspektiven als Frühwarnsysteme für strukturelle Unpassung

4. „Hörst du mich?“ – Macht, Sprache & Trigger in Prüfungsdesigns

Analyse realer Abi-Aufgaben unter dem Aspekt von Inklusion & Resonanz

5. Resonanzräume statt Prüfungszäune

Entwicklung alternativer Prüfungsformen (Resonanzmodule, subjektive Reflexionselemente, mehrdimensionales Feedback)

6. Test: „Wie fair war dein Abi?“

Persönliche Reflexion + strukturierte Systemanalyse

7. Abschluss: Deine Stimme zählt

Erstellung eines Statements / Beitrags für Petition, Gremium oder Social Media – optionale Einreichung beim Ministerium

5. Methodik

dialogisch, reflexiv, multimedial Elemente aus Storytelling, KI-Dialog, Game-Based Learning & Systemdesign nutzbar in Präsenz, Hybrid oder komplett digital

6. Outputformate

Handreichung für Schulen Workshop-Modul (z. B. Projekttage, Demokratietraining) Podcast / TikTok-Statements aus Schüler*innen-Perspektive Positionspapier aus Schülersicht zur Reform des Abiturs Rabbit-Kompendium „Prüfungen im 21. Jahrhundert“

7. Kooperationen (vorgeschlagen)

Landesschüler*innenvertretung NRW Bildungsinitiative „Schule im Aufbruch“ Netzwerk Inklusion NRW Fachgruppe Neurodivergenz & Lernen ggf. Ministerium für Schule & Bildung NRW (als Dialogpartner)

8. Potenzielle Wirkung

Stärkung von Schülerstimmen in der Bildungspolitik Brückenschlag zwischen Systemlogik & Subjektwahrnehmung Prototypische Entwicklung zukunftsfähiger Prüfungsformate Politischer Resonanzimpuls zur Transformation des Bildungssystems

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