Prolog
Die Weltgeschichte verläuft oft auf den schmalen Kanten von Entscheidungen, Zufällen und unerwarteten Ereignissen. 1972 verliefen die Olympischen Spiele in München reibungslos. Der „Schwarze September“ wurde nie aktiv, und ein friedlicher Sommer endete mit einem weltweiten Fest der Sportlichkeit. Doch in den Jahren danach prägten andere Herausforderungen das politische Klima – Terrorismus blieb eine globale Gefahr, doch ohne die Gründung der GSG 9 sollte sich eine Geschichte entfalten, die die deutsche Gesellschaft für immer verändern würde.
1977: Eine gefährliche Zeit
In der Bundesrepublik Deutschland ist das Jahr 1977 geprägt von Unsicherheit. Die linksextreme Rote Armee Fraktion (RAF) führt ihren „Deutschen Herbst“, während palästinensische Gruppen wie die PFLP ihre Ziele in Europa verfolgen. Die Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ ist das Resultat einer neuen Eskalation. Am 13. Oktober kapern vier schwer bewaffnete Terroristen unter der Führung von Mahmud ihre Boeing 737 mit 86 Passagieren an Bord.
Der Flug wird von Mallorca über Rom nach Mogadischu umgeleitet. Die Forderungen: die Freilassung von elf RAF-Mitgliedern sowie einer hohen Geldsumme. Doch in einer Realität ohne die GSG 9 nimmt das Schicksal der Landshut eine völlig andere Wendung.
Die veränderte politische Lage
Ohne die Gründung der GSG 9 nach München 1972 hat die Bundesrepublik keine einsatzbereite Anti-Terror-Einheit. Kanzler Helmut Schmidt ist sich der politischen Tragweite der Situation bewusst. Internationale Unterstützung wird angefragt, doch die Lage ist kompliziert. Die Israelis bieten ihre Hilfe an, doch die Erinnerung an die Rolle der Deutschen im Holocaust erschwert eine Zusammenarbeit. Die Briten hingegen stellen ihre SAS-Einheit in Aussicht – allerdings unter strengen Bedingungen, die Schmidt nicht akzeptieren kann.
Die Bundesregierung setzt auf Verhandlungen. Währenddessen wird die Maschine von Aden nach Mogadischu umgeleitet, wo sich die Entführer mit der somalischen Regierung arrangieren. Die Passagiere verbringen Tage voller Angst und Ungewissheit.
Ein alternatives Szenario: Eine fehlgeschlagene Befreiung
Am 17. Oktober entsendet die Bundesregierung ein improvisiertes Team aus Bundesgrenzschutzbeamten und Polizisten nach Mogadischu. Diese Gruppe ist schlecht vorbereitet und verfügt über keinerlei Erfahrung in Geiselbefreiungen. Unterstützt von somalischen Kräften planen sie eine hastige Erstürmung der Maschine. Doch die Entführer haben den Angriff erwartet. Der Einsatz endet in einem Blutbad: Zwölf Passagiere und drei Beamte kommen ums Leben, bevor die Entführer die Situation unter Kontrolle bringen.
Die Überlebenden berichten später von einem Chaos, in dem die Terroristen wahllos das Feuer eröffneten, während die Befreier ohne klare Koordination vorgingen. Deutschland ist traumatisiert. Die internationale Gemeinschaft verurteilt die mangelnde Vorbereitung und Organisation des Einsatzes.
Die politischen Konsequenzen
Die Katastrophe in Mogadischu erschüttert die Bundesregierung. Kanzler Schmidt sieht sich massivem Druck ausgesetzt und tritt ein Jahr später zurück. Seine Nachfolgerin, Annemarie Renger, führt das Land in einer neuen Ära der Unsicherheit. Die RAF nutzt die politische Instabilität, um ihre Angriffe zu intensivieren. Palästinensische Gruppen setzen die Entführung von Flugzeugen als Mittel der Erpressung weiterhin erfolgreich ein.
Auf internationaler Ebene wird Deutschland zunehmend isoliert. Die Bundesregierung bemüht sich, eine eigene Anti-Terror-Einheit aufzubauen, doch die Gründung der neuen Einheit – der GSG 9 – erfolgt erst 1979. Bis dahin haben weitere terroristische Anschläge das Land erschüttert.
Die Folgen für die Gesellschaft
Ohne den Erfolg der GSG 9 in Mogadischu 1977 wächst in Deutschland das Misstrauen gegenüber der Regierung. Die Bürger fordern stärkere Sicherheitsmaßnahmen, doch die Angst vor staatlicher Überwachung führt zu Protesten. Linke und rechte Extremisten nutzen die Unsicherheit, um ihre Agenden zu fördern. Die Gesellschaft ist gespalten.
Epilog: Ein dunklerer Pfad
Die Welt ohne die GSG 9 ist eine düstere Realität. Die Landshut wird zum Symbol einer verpassten Chance, Terrorismus effektiv zu bekämpfen. Ohne die erfolgreiche Befreiung in Mogadischu fehlt der Bundesrepublik ein Moment der Einheit und des Stolzes. Die deutsche Geschichte verläuft in dieser Realität turbulenter, geprägt von einem späteren und schmerzhaften Lernprozess.
Das alternative Jahr 1977 zeigt, wie ein einzelnes Ereignis – oder das Fehlen dessen – eine Kette von Konsequenzen auslösen kann, die den Lauf der Geschichte für immer verändert.